Das Schweigen der Kunden (4)

Das Schreiben der letzten Artikel hat besonders viel Spaß gemacht. Heute aber wieder zu einer normalen Geschichte.

Kunde tritt vor meine Theke. „Ich hätte gerne 5 Brötchen.“ – Schweigen –

„Ähm, ja, gerne. Was für Brötchen?“

“ 3 normale Weizenbrötchen und 2.“

Ich packe 3 normale Weizenbrötchen ein und fühle mich ein bisschen verarscht, als ich erneut fragen nachfragen muss. „Und die beiden anderen?“

„Ach, suchen Sie sich was aus.“

 

Das Schweigen der Kunden (3)

Wenn Sie etwas kaufen möchten, dann geben Sie dem gelangweilten Kassierer so wenig Informationen wie möglich. Suchen macht ihm sicher Spaß. Er hat sicher nichts besseres zu tun.

Schenken Sie sich nicht nur alle Höflichkeitsformeln beim Betreten, Verlassen oder Bestellen, wie gestern in (2) beschrieben, sondern schikanieren Sie ihn ein kleines bisschen.

1. Fordern Sie nicht das Roggenbrot von Hersteller Superlecker, oder die Butter vom Hersteller Megarahm, sondern lassen Sie den Kassierer nachfragen. Wenn die Schlange besonders lang ist, machen Sie sich doch ein Späßchen und sagen „Oh, das weiß ich ja gar nicht. Welche gibt es denn? Wie unterscheiden die sich denn? Welche habe ich sonst immer?“ und seien Sie entrüstet wenn der Kassierer das nicht weiß. Das i-Tüpfelchen setzen Sie mit der Frage „Was schmeckt den besser?“

2. Foppen Sie den Kassierer, in dem Sie nie den ganzen Namen das Brotes nennen. Es ist viel lustiger für die Zuschauer, wenn Sie „Das Dinkelbrot“ sagen, der Kassierer ein Brot aus dem Regal nimmt, welches „Dinkelbrot“ heiß und Sie ihm dann zu verstehen geben, dass Sie ja eigentlich das „Dinkel-Krustenbrot“ haben wollten. Hat der Kassierer wohl in „Kundenwünsche vorhersehen“ auf der Kassiererschule nicht aufgepasst.

3. Wenn Sie wissen, Sie brauchen eine große Packung oder ein Kilobrot, dann sagen Sie dies unter keinen Umständen. Dem Kassierer macht es Spaß, Ihnen unwichtige Details wie Packungsgrößen oder andere Mengenangaben aus der Nase zu ziehen.

4. Haben Sie eine Frage zu dem Produkt stellen Sie diese erst, wenn der Kassierer dieses Bereits eingescannt und verpackt hat, und bestehen Sie auf einen Austausch.

5. Wenn Sie mit Karte zahlen wollen, kündigen Sie dies keinesfalls an, sondern klatschen Sie die Karte kommentarlos auf die Theke. Falls Kartenzahlung nicht möglich ist, erläutern Sie, dass Sie „sonst immer“ mit Karte zahlen würden, oder dies „überall“ möglich wäre. Erfreuen Sie sich am langwierigen Storniervorgang.

6. Wenn Sie morgens als erster Kunde einen kleinen Laden betreten, nehmen Sie besonders große Scheine mit, gern gesehen werden 200 Euro. Diese überreichen Sie bitte wie bei 5. beschrieben völlig wortlos und reagieren Sie überrascht und aggressiv, wenn der Kassierer nicht gut wechseln kann. Immerhin ist es seine Aufgabe, auf so etwas vorbereitet zu sein, ohne erst beim Chef Geld wechseln zu müssen.

7. Wenn Sie den Kassenzettel oder eine Tragetüte haben wollen, strecken Sie erwartungsvoll die Hand aus. Der Effekt wird durch eisernes Schweigen verstärkt, und das Gesicht des Kassierers, wenn er Ihnen den Kassenzettel reicht und Sie weiter schweigend in der Haltung verharren, weil er nicht verstanden hat, dass Sie doch eigentlich eine Tüte möchten, ist die paar Sekunden Mehraufwand definitiv wert. Profis geben auch auf freundliche Rückfragen wie „Hätten Sie gerne den Kassenzettel?“ keine Antwort.

 

 

Das Schweigen der Kunden (2)

Korrektes Anschleichen an den Kassierer.

1. Kommen Sie keinesfalls auf direktem Weg durch die Tür. Nutzen Sie Schleichwege und halten Sie sich unauffällig längere Zeit bei anderen Regalen auf bevor Sie – grade wenn der Kassierer verschwunden ist, um vielleicht einmal einen Schluck Wasser zu trinken – leise zur Kasse geschlichen kommen.

2. Wenn Sie nun an der Kasse stehen sagen sie auf KEINEN Fall laut und freundlich Hallo, dies könnte den Kassierer ja auf Sie aufmerksam machen.

3a. Stehen Sie nun schon wenige Sekunden unbemerkt da, haben Sie alles richtig gemacht. Um nun dem Kassierer den größtmöglichen Schreck einzujagen ohne auf die lästige Höflichkeit des „Hallo“-sagens zurückgreifen zu müssen, Husten sie laut und sehr unauffällig oder zählen Sie schon einmal geräuschvoll und drohend Ihr Kleingeld.

3b. Sind Sie aufgrund von organischen Beschwerden nicht in der Lage sich geräuschvoll zu räuspern oder die Nase hochzuziehen und haben Ihre Kleingelddose ärgerlicherweise zu Hause vergessen, dann rufen Sie laut und deutlich vernehmbar durch den Ganzen Laden „Kommt jetzt hier mal einer?“ oder „Warum dauert das hier so lange?“. Variationen dieser Sätze sind erwünscht.

4. Wenn der Kassierer noch hustend vom Verschlucken des Wassers zurück zur Kasse kommt, verschwenden Sie nicht noch mehr Ihrer wertvollen Zeit, in dem Sie ihn grüßen. Beginnen sie direkt mit Ihrer Bestellung und zeigen Sie deutlich durch Benutzung der Anweisung „Ich bekomme…“ oder „Sie müssen…“ wer hier der König Kunde ist.

5.  Wenn der Kassierer Sie noch unter Hustenanfällen begrüßt, fahren Sie unter allen Umständen fort wie unter 4. beschrieben.

6. Wenn der Kassierer tatsächlich die Dreistigkeit besitzt, Sie darauf hinzuweisen, dass er Sie nicht hören konnte, und Sie das nächste Mal einfach Hallo sagen sollen, wenn sie an die Kasse kommen, weil er meistens nur wenige Meter entfernt steht und etwas trinkt oder putzt oder andere Kleinigkeiten erledigen muss, dann ignorieren Sie diese Aussage komplett oder wiegeln Sie mit der Aussage „Ich musste mir ja noch überlegen was ich möchte“ ab. Diese Überlegung entbindet Sie nämlich von jeglichem höflichen Verhalten.

7. Gehen Sie ohne Tschüss zu sagen, Sie haben schließlich einen Ruf zu wahren.

8. Da alles so gut funktioniert hat wiederholen Sie die Punkte 1-7 bei Ihrem nächsten Besuch.

Das Schweigen der Kunden (1)

Das wäre fast schon wieder eine Miniserie wert. Ach, warum eigentlich nur eigentlich. Also hier Nummer 1:

Kundenverhalten welches ich unmöglich und unglaublich unhöflich finde: Schweigen!

Beispiel eins, welches ich schon einmal ganz am Anfang erwähnt hatte: Der Kunde betritt den Laden, Blick starr auf die Auslage gerichtet, bloß keinen Blick an den Kassierer verschwenden und auf keinen Fall unnötig Energie verschenken, in dem man dem unwichtigen Menschen der hier seit 7 Stunden steht, freundlich einen guten Tag wünscht.

Nachdem man den anstengenden Kaufvorgang abgeschlossen hat auf keinen Fall – ich wiederhole: auf keinen Fall! – dem Kassenroboter auf Wiedersehn sagen oder gar noch einen schönen Tag wünschen!

Mini

„Guten Tag, ich hätte gerne Laugenstangen, haben Sie sowas?“

„Ja, hier vorne“ Und zeige drauf.

„Ähm, die Laugenstangen hier, die sind ja schon ganz schön groß.“

„Öhm, naja, normal oder?“

„Ja, aber warum haben sie die denn noch noch mal in Mini?“ Sprachs und zeigt mit den Fingern etwa fünf Zentimeter. „Gibt es woanders ja schließlich auch!“

Wahlkampf

In letzter Zeit wird scheinbar wieder vermehrt für Parteien geworben, dies merkt man besonders, wenn man beim Shoppen ständig angesprochen wird, und einem Zettel in die Hand gedrückt werden.

Letztens erwischte es dabei einen vor mir laufenden jungen Mann, augenscheinlich der Metalszene zugehörig. Er würde angesprochen, ob er denn die Partei kennen würde, und der aufdringliche junge Flyerverteiler drückte ihm sogleich einen Zettel in die Hand.

Der Metaller nahm den Flyer, schaute den jungen Mann kurz an und fragte dann: „Verleugnet ihr den Holocaust?“

Sichtlich verwirrt stotterte der Zettelverteiler „Äh, nein.“

„Gut, dann wähl ich euch vielleicht.“

Sprachs und lies den verwirrten Verteiler stehen.

Ich musste schon sehr grinsen 😀

Beziehungen (4)

Eine Situation in die ich regelmäßig gebracht werde, sind Kundenpaare die sich nicht einigen können. Scheinbar reden sie zu Hause nicht darüber was gekauft werden soll und interessieren sich nicht für die Vorlieben und Abneigungen des Partners, jedenfalls setzten sie sich erst mit dem Brotkauf auseinander, wenn sie an der Reihe sind. Und keine Sekunde eher.

Dann beginnt die Diskussion:

Welches Brot nehmen wir denn? – Das Roggenbrot? – Neee, wir brauchen schon ein Kilobrot, das ist zu wenig für uns. – Mhm, was hältst du von dem Sonnenblumen? – Nee, ich mag keine Körner. – Ich mag aber so gerne Körner! – Ja, aber ich möchte das nicht! Wollen wir dann das Kümmelbrot nehmen? – Kümmel??? Das passt doch gar nicht zu meiner Marmelade! – Ja, was denn dann? Hier so ein Krustenbrot?…

Je länger die Diskussion dauert, desto böser werden die Kommentare.

Mittlerweile bin ich dazu übergegangen bei solchen Streitereien einzuschreiten. Es ist zwar nicht meine Aufgabe, Beziehungen zu retten, aber wegen eines Brotes muss man sich nun wirklich nicht streiten. Bemerke ich das Aufkeimen einer solchen Auseinandersetzung bemerke ich ganz freundlich, dass man sich nicht einigen muss, ich könnte auch einfach zwei halbe Brote verkaufen, so könne jeder sein Lieblingsbrot wählen.

Meist beginnen beide dann zu merken, dass sie sich grade wirklich kindisch benommen haben, strahlen über das ganze Gesicht und gehen froh wieder aus dem Laden, meistens sogar in ein Gespräch vertieft.

Schön wenn man mit so wenig Einsatz die (Beziehungs-)Welt einiger Menschen ein wenig einfacher machen kann.