Goldstück

Meine absolute Lieblingsgeschichte aus all den Jahren:

Unter unseren Stammkunden ist eine kleine Familie,  scheinbar sind beide Eltern berufstätig, denn sie kommen meist alleine und im Wechsel mit der schnuckeligen Tochter, etwa 2 Jahre alt.  Sie ist ein wunderhübsches Bilderbuchkind mit blonden Löckchen und ein absoluter Sonnenschein.

Irgendwann kam nun die Mutti mit der kleinen Prinzessin, suchte sich ein Brot aus und zahlte. Das Töchterchen stand jedoch noch völlig fasziniert vor den Schokosachen und begann (wie bei Kindern so üblich) zu quengeln. Sie möchte doch bitte bitte dieses eine kleine Teilchen. Und wie das meistens so ist bei Eltern: Mutti kaufte es auch brav. Ich gab dem kleinen Mäuschen die Tüte mit dem Teilchen in die Hand. Sie nahm sie, drückte sie an die Brust und schaute mit großen Augen zur Mutti:

„Und das bringen wir jetzt dem Papi mit!!!“

 

 

 

Morgens kurz vor 7

Dienstbeginn ist immer eine Stunde vor Ladenöffnung. Mittlerweile brauche ich meistens noch so etwa 30-45 Minuten um die Brote und Brötchen einzuräumen. Dann wird gefegt, die Vorbestellungen gemacht, die Preisschilder verteilt. Wenn ich das alles geschafft habe ist es kurz vor 7. Dann muss eigentlich nur noch meine Kasse gezählt werden. Diese bringt mir mein Chef meistens während er die Türen aufschließt.

Oft passiert es jetzt, dass Kunden schon kurz vor 7 warten. Viele davon warten auch wenn Cheffe aufgeschlossen hat noch brav bis 7 vor der Tür, einige kommen (grade im Winter) auch schon mal rein und warten eben dort. Das ist ja auch völlig ok, 95% der Kunden sind da total verständnisvoll und geduldig. (Und solche netten Kunden sind leider überhaupt nicht bloggenswert. ^^) Von den anderen 5% hatte ich jetzt mal wieder einen.

Es ist 10 vor 7, Kunde steht vor dem Laden. Etwa 1 Minute später kommt mein Herr Chef mit der Kasse, gibt sie mir (gut ersichtlich für den Kunden), ich gehe ins Hinterzimmer um nicht vor dem Kunden zu zählen und Cheffe schließt auf. Der Kunde betritt sofort den Laden und fragt Cheffe direkt nach der Uhrzeit. Cheffe erwidert es wäre etwa 10 vor 7 und verschwindet wieder, um die anderen Türen zu öffnen und das Licht anzuschalten. Kunde wartet, ich zähle (lautstark, dank Münzgeld) so schnell ich kann. Keine 30 Sekunden nachdem mein Chef weg ist:

„Hallo??? Dauert das noch lange?“

Mein Puls geht schon hoch, unfreundliche Kunden am Anfang der Schicht können einem nämlich wirklich den Tag versauen. Ich antworte so freundlich wie möglich, dass ich erst noch die Kasse zählen muss.

Wieder kaum 30 Sekunden später:

„Hallo?? Wieviel Uhr haben wir denn jetzt? Ich habs eeeeilig!!!“ (Erstens macht mich das nicht schneller, 2. ist das auch nicht mein Problem und 3. ginge das auch sehr viel freundlicher.)

Ich antworte dennoch freundlich, dass wir grade immer noch etwa 10 vor 7 haben und ich so schnell mache wie es geht, aber eben diese Kasse zählen muss.

Es folgt wenig später Ansage Nummer 3: „Halloooo?? Kommen Sie jetzt noch?“ (wenn das Geldgeklimper aufhört heißt es nicht dass ich jetzt Däumchen drehe, aber irgendwann muss ich schon noch die Summen aufschreiben und addieren.)

Der Kunde hat den Laden übrigens um Punkt 7 mit der Ware und ohne ein freundliches Wort verlassen…

PS: Mein Tipp wenn man es wirklich mal sehr eilig hat: FREUNDLICH fragen ob es eine Möglichkeit gäbe vorgelassen zu werden oder ausnahmsweise eher bedient zu werden. Abgezähltes Geld (oder eben die paar Cent Wechselgeld als Trinkgeld da lassen) helfen das Problem mit der ungezählten Kasse zu übergehen.

Freundlichkeit bringt einen sehr viel weiter als unhöfliches Drängeln.

Wenn jedoch der Kassier nein sagt, beispielsweise weil er nicht darf oder eben die Tür noch abgeschlossen ist zu der er keinen Schlüssel hat, dann bitte nicht ausfällig werden und schimpfen.

Sie könnens aber tragen

2 junge Männer, beide mein Alter, einer davon ziemlich ansehnlich, betreten meinen Brotshop.

Einer geht gleich weiter in den „richtigen“ Laden, der 2., hübsche, bleibt bei mir stehen und sucht sich Brötchen aus. Während er wartet kommt es zu einem netten Smalltalk, was ich denn studiere usw usw. (Hierbei habe ich immer Hemmungen mein Gegenüber auch zu fragen, weil ich nicht unhöflich sein will :/ Dabei denk ich immer, wer mich so fragt der sollte doch auch eigentlich keine Probleme mit einer unverfänglichen Gegenfrage haben… Aber ich wollte ja eigentlich einen Eintrag schreiben, und nicht  schriftliche Selbstgespräche führen.) Im Laufe des Smalltalks kommt folgender Satz:

„Ich weiß nicht genau wie ich Ihnen das sagen soll, aber Sie haben da ziemlich viel Mehl an der Stirn.“ (*im Boden versink*)

Und dann kam DER Nachtrag: „Aber können Sie tragen! Steht Ihnen!“

Verdammt, ich muss sagen, das war charmant! 🙂 Mal sehen ob ich ihn nochmal wiedersehe. 🙂

Das Kind beim Namen nennen

Erstmal ein „Entschuldigung“ dafür, dass hier so lange nix mehr los war, Mein Ziel war eigentlich mindestens 1 Blogeintrag pro Woche. Und dann hab ich Baselkind meine Login-Daten verloren -.- Nach stundenlangem versuchen hab ich sie jetzt wieder beisammen und gut weggepackt, also kann es jetzt wieder losgehen.

Vor einigen Wochen:

Normale Laufkundin, etwa 40. Ich begrüße sie mit einem freundlichen „Guten Tag, was kann ich für sie tun?“.

„Ich suche ein Brot.“

Da diese Aussage meistens heißt der Kunde sucht etwas „bestimmtes“ frage ich mit einem weiteren Standardsprüchlein „Soll es etwas bestimmtes sein? Vollkernmehl, ein bestimmtes Mehl, Körner?“

„Ja, ein dunkles Brot.“

Ich frage nochmal nach „Also Vollkornmehl?“

„Neeee, dunkles Mehl.“

Großes Fragezeichen in meinem Kopf. Also nachfragen was gemeint ist. Die völlig logische Antwort: „Na, Roggenmehl natürlich. Das ist schließlich viel dunkler als Weizen- oder Dinkelmehl.“

Gut, ich also einige passende Brote gezeigt.Eines gefiel dann scheinbar.“Wie schwer ist das denn?“

„Öhm, ca 500 Gramm.“

Es folgte ein Blick in dem Verachtung und die Vermutung einer schweren geistigen Behinderung meinerseits mitschwang: „Ich will nicht die Grammzahl wissen! Ich will wissen wie schwer das Brot ist…. ob es WEICH ist!!!“ (Gefolgt von einem weiteren verächtlichen Blick).

Habe dann ihre Frage beantwortet, ganz normal abkassiert und sie seither nicht wieder gesehen.

Aber WARUM kann man denn nicht einfach direkt sagen was man meint? An gewisse Ausdrücke gewöhnt man sich ja sehr schnell (geschlossene Seiten und vollwertige Brote, nicht zu verwechseln mit den minderwertigen halbwertigen 😉 ) aber sowas muss doch nicht sein.